Aarau reduziert fossile Energien

Wärme- und Kälteverbunde geplant – Potenzial für geothermie

(mm) Der vom Bundesrat anvisierte Ausstieg aus der Atomkraft lässt die Frage aufkommen, welche Energieträger denn geeignet sein könnten, die sich abzeichnende Stromlücke zu schliessen. Eine Option ist die Geothermie. Mittels Tiefenbohrungen könnte heisses Wasser zur Erzeugung von Wärme und Strom gewonnen werden. Bisherigen Probebohrungen in Basel, Zürich und St. Gallen war allerdings wenig Erfolg beschieden. Entweder waren die Wärmequellen zu wenig ergiebig oder aber es wurden Bodenerschütterungen ausgelöst, welche die Projekte zumindest teilweise zum Stillstand brachten.

Wärme aus der Tiefe statt gas

Im Kanton Aargau steht der Verein Geothermische Kraftwerke Aargau (VGKA) an der Spitze der Nutzung der Geothermie. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 ein geothermisches Kraftwerk für Wärmeund Stromgewinnung zu bauen. Mit dem Energieversorger IBAarau hat der VGKA einen Partner gefunden, der der Geothermie grundsätzlich freundlich gesinnt ist. Die Option Geothermie könnte für geplante Wärme- und Kälteverbunde dereinst Realität werden. Wie Hans-Kaspar Scherrer, Vorsitzender der Geschäftsleitung von IBAarau, an einer gemeinsamen Veranstaltung von VGKA und IBAarau in Aarau sagte, plant und realisiert die Stadt sechs Wärme- und Kälteverbunde im städtischen Versorgungsgebiet von IBAarau. Bereits in Funktion ist der KVA-Abwärmeverbund Kantonsspital. Der Energieverbund Kasinoareal wurde am

1. April 2014 in Betrieb genommen. Beim Kasinoareal nutzt ein Wärmepumpensystem Grundwasser zu rund 85 Prozent. Die Spitzenlast trägt der Energieträger Erdgas zu etwa 15 Prozent. Die Wärmeleistung beträgt 6,2 MW, die Kälteleistung 2,7 MW. Scherrer zufolge konnte mit gegen 50 Prozent der notwendigen Abnehmer eine Anschlussvereinbarung abgeschlossen werden. Gross sei das Interesse insbesondere bei Banken. Für sie müsse die Lösung sowohl wirtschaftlich als auch auf erneuerbaren Energien basierend sein. Der Anschluss sei selbstverständlich freiwillig, sagte Scherrer. Kunden müssten mit Kosten von rund 15 bis 17 Rp./kWh rechnen. Sich im Wettbewerb gegen Erdöl und Erdgas zu behaupten, sei hart, sagte Scherrer. Längerfristig könnte der Gasanteil durch Wärme, gewonnen aus der Tiefe des Untergrunds, gewonnen werden. Konkretes dazu war allerdings noch nicht zu erfahren.

Potenzial für Stromproduktion

Mark Eberhard, Präsident VGKA, schlug die Brücke zur Tiefengeothermie. Er betonte, der Kanton Aargau biete Potenzial für die Errichtung geothermischer Anlagen zur Produktion von Wärme und Strom. Namentlich in den Regionen Zurzach/Böttstein, Baden/ Brugg/Schinznach sowie Kölliken/Zofingen/ Oftringen hätten Potenzial- bzw. Machbarkeitsstudien ergeben, dass in einer Tiefe von rund 4 km die Temperatur mehr als 120 °C betrage. Bei 120 °C liegt die Schwelle zur wirtschaftlichen Stromerzeugung.

Weitere Informationen: www.vgka.ch

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